Der dritte Mann des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) – ein Anruf genügt…

Wolf Wetzel hat in einem aktuellen Artikel anlässlich der jüngsten Ereignisse rund um den Rücktritt des VS-Präsidenten zusammenfassend zu den derzeit bekannten Fakten um die Kooperation von Verfassungsschutz (VS) und NSU gemeinsam mit einem Kommentator der gewiss nicht linksradikalen Frankfurter Rundschau die Frage gestellt: „Was hindert uns daran, von Staatsterrorismus zu reden?“  Seine Antwort: „Die Faktenlage jedenfalls nicht“.

Der Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz/BfV Heinz Fromm ist zurückgetreten. Er wußte warum: die Behauptung, sein Referatsleiter habe eigenmächtig Akten vernichtet, die zur Aufklärung der NSU-Morde bedeutungslos sind, hätte nicht lange überlebt.

Ein Leitender Beamter riskiert nicht seinen Job, um bedeutungslose Akten zu vernichten. Ein Referatsleiter handelt nicht eigenmächtig, wenn er die Generalbundesanwaltschaft und den Untersuchungsauschuss belügt.

Würden die Akten aus der Operation „Rennsteig“ belegen können, dass der Verfassungschutz keine heiße Spur, keine (V-Mann-)Kontakte zu den ehemaligen Mitgliedern des Thüringer Heimmatschutzes/THS hatte, hätte man sie vorgelegt, den embedded Medien zugesteckt, wie ein Alibi herumgereicht.

Denn nichts fehlt in dieser Aufklärungsposse mehr, als ein Beweis, dass die Verfolgungsbehörden keine Ahnung hatten, wo sich die abgetauchten NSU-Mitgliedern aufhielten, was sie in den vielen Jahren des Untergrundes machten.

Hätte vor ein paar Monaten jemand behauptet, dass zur ›Aufklärung‹ der neonazistischen Mordserie Akten vernichtet, wichtige Erkenntnisse unterschlagen, Untersuchungsausschüsse belogen werden, Leitende Beamte des Bundesamtes für Verfassungsschutz Falschaussagen machen, wäre er als Verschwörungstheoretiker lächerlich gemacht worden. Wenn vor Monaten jemand behauptet hätte, dass die verschiedenen Geheimdienste nicht dilettantisch, sondern perfekt zusammengearbeitet hatten und über ausgezeichnete Kontakte zum neonazistischen Thüringer Heimatschutz/THS verfügten, also zu Mitgliedern der daraus hervorgegangenen Terror-Gruppe ›NSU‹, wäre ihm Gleiches widerfahren.

Jetzt sind diese berechtigten Annahmen gerichtsverwertbar: Zwischen den Jahren 1997 und 2003 waren der Thüringer und Bayerische Verfassungsschutz, das Bundesamt für Verfassungsschutz/BfV und der Militärische Abschirmdienst/MAD, die Crème de la Crème der Geheimdienste, an der ›Operation Rennsteig‹ beteiligt. Das Ziel dieser koordinierten Aktion war eindeutig: »Im Rahmen der operativen Zusammenarbeit des BfV mit dem LfV Thüringen und dem MAD unter der Bezeichnung ›Rennsteig‹ von 1997 bis 2003 hat das BfV … Werbungsfälle mit THS-Bezug eröffnet, aus denen … erfolgreiche Werbungsmaßnahmen resultierten.« (Schreiben des BfV an den Generalbundesanwalt vom Dezember 2011, FR vom 16.6.2012)

Der Erfolg konnte sich sehen lassen: »Demnach war fast jeder zehnte Aktivist in der damaligen Neonazi-Vereinigung ein Spitzel des Verfassungsschutzes.« (http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/politik/artikel/jeder-zehnte-neonazi-war-v-mann/800850/jeder-zehnte-neonazi-war-v-mann.html)

Die Frage also, ob die beteiligten Geheimdienste problemlos den drei Mitgliedern der NSU in den ›Untergrund‹ folgen konnten, ob eine/r von ihnen gar zu den »erfolgreichen Werbungsmaßnahmen« zählte, könnten die Akten beantworten, die nun vernichtet wurden. Würden die Akten die bisherige Legende beweisen können, man habe die Spur zu den abgetauchten NSU-Mitgliedern verloren, wären sie nicht vernichtet worden!

Angesichts dieses organisierten und kriminellen Vorgehens vonseiten der Verfolgungsbehörden sind die Fragen der FR von auffallender, fortgesetzter Naivität:

»Gibt es Verbindungen zu Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe? Waren Mitglieder des Trios womöglich V-Leute? Haben sie Geld vom Verfassungsschutz erhalten? Hat das Bundesamt die Mörder sogar geschützt?«

Im Folgenden trage ich alle Indizien und Fakten zusammen, die bis heute an die Öffentlichkeit gelangt sind, um auf zwei der vier gestellten Fragen (Frage 1 und 4) mit einem sicheren ›Ja‹ zu antworten. Weiterlesen „Der dritte Mann des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) – ein Anruf genügt…“

Aufruf zur Vorbereitung einer Aktion rund um den Prozessauftakt gegen den NSU

Mit „Kuddl Schnööf“ ist ein gerade veröffentlichter Aufruf unterzeichnet, in dem Antifaschist_innen aufgefordert werden: „Heraus zu einer Protestmanifestation anlässlich der Eröffnung des NSU-Strafprozess„.

Der siebenseitige Text fasst den Ermittlungsstand aus antifaschistischer Sicht zusammen und kritisiert denjenigen der Behörden: „Lässt man dem Willen der Generalbundesanwaltschaft politisch freien Lauf, dann besteht begründet zu befürchten, dass in dem NSU-Strafprozess ein gesellschaftspolitischer Bezug , gar Hintergrund in dieser ganzen auf ordinäre Kriminalität heruntergebrachten Causa NSU ausschleisslich in Bezug auf eine Gruppe zur Sprache gebracht werden wird, die damit nun definitiv überhaupt nichts zu tun hat: die Rote Armee Fraktion (RAF)“. Die anhaltend starke Extremismusdoktrin gibt hier den Kurs vor.“

Text des Aufrufs: NSU_Anklage_Protest

Landgericht Köln: Beschneidung ist „Körperverletzung“

Seit etwa 3000 Jahren werden Juden, seit etwa 1300 Jahren Muslime wenige Tage nach der Geburt oder später beschnitten. Trotz Jahrhunderten des Antijudaismus, des Antisemitismus und trotz Sho’ah hat nun das Landgericht Köln, ein deutsches Gericht, zu entscheiden gewagt: Beschneidung ist Körperverletzung.
Politically Incorrect“ jubelt. (Auch der „Führer“ wäre begeistert gewesen.)
Ein weiteres Mal, wie schon im Fall des Schächtens, werden vordergründig tier- bzw. menschenrechtliche Bedenken gegen eine identitätsbildende, in religiöser Form überlieferte Praxis einer ethnisch-kulturellen Minderheit in Anschlag gebracht. Gemeint sind die Muslime, mitabgeurteilt werden die Juden.
Vielleicht führt ja die Erfahrung, wie heftig die “ israelsolidarische“ Rechte über dieses Urteil jubelt, zu einem Klärungsprozess über den Wert, den diese „Solidarität“ hat.

(Dieses Posting  wird intensiv diskutiert, siehe unten. Einige weitere Kommentare können auch hier nachgelesen werden).

Rassistendemo vor einer Frankfurter Moschee massiv gestört aber nicht verhindert

Die Retter des Abendlands hinter der Polizeiabsperrung.

Die Demonstration vor Pro-NRW, German Defence League und REPs vor der Falah-Moschee in Frankfurt Ginnheim konnte massiv gestört und behindert werden, fand aber wegen Polizeischutz dennoch statt. Viel gehört haben kann davon niemand: durch ständige Zwischenrufe, Sprechchöre, Megaphonquietschen gingen die „Wortbeiträge“ der Islamhasser weitgehend unter (Bericht FR). Es waren etwa 40 Demonstrant_innen gegen „den Islam“ gekommen, denen ca. 70 Gegendemonstrant_innen gegenüberstanden: Antifa und ANK, Student_innen der AdA, Schüler_innen, Metaller…
Im Lauf der Demo kamen erfreulicherweise immer mehr migrantische Jugendliche dazu und beteiligten sich auf unserer Seite. Es gab soweit bisher bekannt zwei Personenfeststellungen. Mindestens ein Redner der Islamhasser äußerte sich in absichtlich beleidigender und provozierender Weise über den Islam, er bejubelte die bekannten  volksverhetzenden Mohammed-Karikaturen, ohne daß die anwende Polizei einen Grund zum Einschreiten sah.

Diese beiden Helden des antiislamischen Widerstands kamen etwas zu früh, nahmen aber sofort und entschlossen den ihnen angemessenen Platz hinter dem Gitter ein, das kurz darauf mit einem Hinweisschild beschriftet wurde.

Auf Grund der kurzen Mobilisierungsphase kann der Verlauf des Nachmittags als einigermaßen gelungen angesehen werden. Was wir dringend brauchen sind Absprachen, wie wir uns schneller und ohne lange Prozeduren über die verschiedenen Spektren hinweg im Fall solcher vergleichsweise kleinen Anlässe besser und effektiver vernetzen, von der Mobilisierung bis hin zum technischen Equipment.

23.6., 13 Uhr, Frankfurt, Raimundstraße 6: Rassistenauflauf in Frankfurt

Am kommenden Samstag, 23.6. wollen die Rassisten von der German Defence League, den REPs und Pro NRW um 14 Uhr in der Frankfurter Raimundstraße 6 vor einer Moschee unter dem Motto „Hasta la vista, Salafista“ demonstrieren: http://www.rephessen.de/?p=1074.
Frankfurter AntifaschistInnen treffen sich eine Stunde vorher am Ort des Geschehens.
Keine ungestörten Rassistenaufläufe in Frankfurt!

Die NPD und das liebe Geld…

Neues von der NPD. Ja, die scheint es wirklich noch zu geben, was ja wohl vermutlich auch mit Geld zu tun haben könnte. Irgendwer muss die Knete des VS ja ausgeben.
Nun aber wird es wirtschaftswissenschaftlich-philosophisch. Die NPD entdeckt die Geldtheorie. Und das geht so: „Da das Geld keinen Gegenwert besitzt wird der Wert des Geldes durch die Menge des Geldes, welches im Umlauf ist, festgelegt.
Demzufolge wäre das wertvollste Geld ein zwar an sich wertloses Etwas,von dem es aber nur ganz wenig gibt. Aha.
So steht es wortwörtlich im Aufruf der Hessen-NPD für ihre Demonstration am 1. Mai 2013 vor der Europäischen Zentralbank, in dem „alle aufrechten Deutschen“ aufgefordert sind, gegen das „assoziale (sic!) Wirtschaftssystem„, das laut NPD hierzulande herrscht, zu protestieren und zugleich den „Südländern“ (Sarazzin) eins mitzugeben, für deren „Pleitestaaten … wir nicht haften wollen„.
Dafür würden die sich auch heftigst bedanken, wenn die NPD für sie haften wollte. Und das auf der Basis ihrer eher rustikalen Kraut- und Rüben-Vorstellungen davon, was Geld ist …

Aber egal. Zu dieser Demo wird es sowieso nicht kommen.

1. Mai 2013 – NPD möchte mal wieder…

Wie aus dem Frankfurter Ordnungsamt zu hören ist, liegt eine Demo-Anmeldung der NPD Hessen für den 1.Mai 2013 vor. Sie soll an der EZB beginnen. Die Route ist noch nicht bekannt. Als Anmelder wurde Daniel Knebel nicht dementiert. Es sollen 500 Faschos angekündigt sein.
Wir können den Nazis gleich hier versprechen: daraus wird nichts werden. Selbst wenn sie sich, wie letztes Jahr in Gießen, pro Nase von 30 PolizistInnen eskortieren lassen.

update:

Inzwischen haben spektrenübergreifend die Vorbereitungsarbeiten für die Verhinderung der Nazikundgebung am 1. Mai 2013 begonnen.
Aktuelle Infos gibt es auf den folgenden Seiten:

Netzwerk Frankfurter Antifaschist*innen: http://frankfurtermobi.blogsport.de/
Antifa Frankfurt: http://www.antifa-frankfurt.org
antifa [f]: http://frankfurt.umsganze.de/
Anti-Nazi-Koordination Frankfurt am Main: http://www.antinazi.wordpress.com

10. Juni 2012: 70 Jahre Lidice

Lidice. denkmal der Kinder von Lidice
Anlässlich der Ermordung fast aller Bewohner_innen des tschechischen Orts Lidice am 10. Juni 1942 durch die faschistische Wehrmacht hat die Internationale Föderation der Widerstandskämpferinnen und -kämpfer (FIR) einen Aufruf veröffentlicht, dieses Massaker nicht zu vergessen.

In Deutschland: dröhnendes Schweigen, unterbrochen von Torschreien.
Weiterlesen „10. Juni 2012: 70 Jahre Lidice“

Frankfurt – Wendland und zurück. Ein Vorschlag für Blockupy 2.0

Wolf Wetzel und Hans Christoph Stoodt von der ehemaligen Aktionsgruppe Georg Büchner haben den Vorschlag des Blockupy-Bündnis, Frankfurt zum Wendland des antikapitalistischen Protests zu machen, aufgegriffen. Ihre Überlegungen dazu finden sich hier: