Die Eröffnung der Interkulturellen Woche in der Frankfurter Stadtbibliothek wurde für ca. 20 Sekunden durch vier bis fünf Mitglieder einer Gruppe gestört, die sich auf hochgehaltenen Plakaten als IDB, Identitäre Bewegung Deutschland, outeten. Dabei handelt es sich laut Posting eines Johannes Schüller auf dem Blog der Blauen Nazisse um „verschiedene Untergruppen“ hessischer Nationalidentitärer, die wohl nicht zu Unrecht als Nachfolgeorganisation der in Frieden ruhenden Konservativ-Subversiven Aktion aus dem Umfeld dieses neurechten Organs angesehen werden dürften (Artikel zur „génération idéntitaire“ auf Publikative).
Ein inzwischen auf YouTube veröffentlichtes Video zeigt (nicht ohne den modischen Verweis auf die eigene Facebook- und Twitterpräsenz) was die Gruppe für identitär deutsch hält: die Aktionsform und Teile ihres Auftritts erinnern an autonome Aktionen (Form des Go-In, Kapuzenshirts…), die weißen Masken an Occupy, dazu gibts Techno-Musik vom Band. Die Gruppe bewegt sich tänzelnd wie in der Disco durch einen kleinen Teil des Raums, bevor sie von Ordnern hinausgeleitet wird, wo sie noch einige Zeit herumsteht. Die politische Botschaft umfasst exakt zwei Worte: „Multikulti wegbassen“- also auch dies nicht identitär selbsterfunden, sondern Aufrufen der autonomen Antifa geklaut, in dem noch dazu außer dem erzdeutschen „weg“ alles andere nichtidentitär-deutsch ist: „Multikulti“ ist ihnen in Wort und Inhalt sowies0 fremd, und auch „Bass“ kommt bekanntlich aus dem italienischen „basso“ (tief). Echte Deutschidentifizierte drücken sich, sollte man doch erwarten, anders aus: „Weg mit den Anderen!“ wäre für sie zB. Möglichkeit. Aber für die IDB heißt deutsch sein offenbar: guttenbergen.
Immerhin ist so wenigstens grob einzuordnen, was das alles bedeuten sollte – für die im hinteren Teil des Raums Sitzenden, die das ungelenk geschriebene Plakat sehen konnten. Alle anderen dachten vielleicht eher an einen verfrühten Halloween-Auftritt, mit dem Süsses oder Saures erbettelt werden sollte.
Also insgesamt: ein Auftritt, der sich an multikulturell synthetisierten Versatzstücken unterschiedlicher Herkunft für die kurze Zeit, die währte, durchaus sehen lassen kann. Interessant, daß so etwas bei den Bewunderern Ernst Jüngers für identitär deutsch gehalten wird.
Wir finden: zum wahren Deutschtum im Inland fehlte da doch noch eine ganze Menge, nicht zuletzt Blutwurst, Sauerkraut und Edeltraut.