Volker Bouffier mußte sich gestern in nichtöffentlicher Sitzung des Innenausschusses im Landtag zum vielleicht vorläufig letzten Mal als Innenminister kritischen Fragen stellen. Dabei ging es vor allem auch um das Problem: was wußten Polizei und Verfassungsschutz vor der Klappspaten-Attacke Kevin Schnippkoweits über ihn und die „Freien Kräfte Schwalm-Eder“? Warum ließen sie sie so weitgehend unbehelligt? Nach Bericht der FR-Regionalausgabe Nordwest (online nicht verfügbar, Text des Artikels folgt unten) glänzte Bouffier auf die Frage, wieso es nach Auffassung des sogenannten VS angeblich in Nordhessen keine organisierte Naziszene gegeben habe mit der geistreichen Antwort: um als „vernetzte Struktur“ bewertet zu werden, hätten sie uniformiert sowie mit Kasse und Satzung auftreten müssen. Aha! So sieht „Verfassungsschutz“ in Hessen seit Jahren aus. Wir weisen den Herrn Innenminister darauf hin: nach seinen Kriterien gibt es in Hessen in der Tat gar keine Nazistrukturen!
Im Übrigen ist es aber als Erfolg öffentlichen Drucks zu werten, daß gegen Schnippkoweit nun doch wegen Totschlags angeklagt werden soll. FR-Artikel, 29.10.:
Kategorie: Polizei
Staatsanwaltschaft Gießen: Unbedenklichkeitserklärung für antisemitische Hassvideos
Unter dem Titel „Ich hätte doch auch tot sein können. Opfer von Neonazi-Überfall in Nordhessen fordern schärfere Anklage“ berichtet die heutige FR über haarsträubenden Vorgänge in der hessischen Justiz. Weiterlesen „Staatsanwaltschaft Gießen: Unbedenklichkeitserklärung für antisemitische Hassvideos“
Ermittlungen gegen Sascha Söder (NPD) wegen Aufrufs zur Selbstjustiz
Der öffentliche Druck auf die Ermittlungsbehörden zeigt anscheinend Wirkung: nun wird gegen Sascha Söder (NPD) wegen dessen blutrünstiger Aufrufe bei der NPD-Demonstration am 11.10. in Wetzlar ermittelt. Infos: NPD-Blog.info.
Mal sehen, was dabei herauskommt…
Jörg Krebs (NPD Frankfurt) bei Mordaufruf gegen Daniel Cohn-Bendit anwesend
Jörg Krebs, Landesvorsitzender der NPD Hessen und Stadtverordneter in Frankfurt war am 11. Oktober 2008 in Wetzlar persönlich anwesend, als der NPD-Aktivist Sascha Söder öffentlich und von der Polizei unbehindert dazu aufrief, Daniel Cohn-Bendit „an die Wand zu stellen„. Das Foto zeigt ihn im Hintergrund mit Fahne in der Hand. Im Vordergrund die Anmelderin der Demonstration, Nicole Becker.
Wetzlar: Gewaltaufrufe, Volksverhetzung, Ausländerfeindlichkeit, Hitlergruß … alles von der Polizei geduldet
In Wetzlar wurden am vergangenen Samstag, wie schon so oft, volksverhetzende und rassistische Gewaltaufrufe von der Polizei toleriert:
- Video (WMV-Video des jugendnetz-wetzlar.de) mit zahlreichen Belegen.
So wird zB. bei 03:45 unter dem Ruf „Hasta la Vista, Antifascista“ eindeutig der Hitlergruß gezeigt.
In dem unten verlinkten Video (Videolink) sind Audio-Mitschnitte der verhetzenden Rede von Sascha Söder (NPD Hessen) mit dem Gewaltaufruf dokumentiert, Daniel Cohn-Bendit gehöre „an die Wand gestellt“.
Update:
Mal wieder wurde ein dokumentarisches, antinazistisches Video von YouTube entfernt, mal wieder ohne Benachrichtung, diesmal nach einigen Wochen. Nach wie vor ist unsere letzte Anfrage dahingehend unbeantwortet, warum volksverhetzende Nazi-Propaganda nach wie vor abrufbar ist (obwohl diese eindeutig gegen die Nutzungsbedingungen verstößt), wohingegen antifaschisitsche Aufklärung gelöscht wird.
Ursprünglicher YouTube-Video-Link: http://de.youtube.com/watch?v=fAIs7gV-Dzw
Wetzlar: Polizei setzt NPD-Demo durch / zeitweilige Blockaden an einigen Stellen der Route / erneut massive Nazi-Gewaltaufrufe unter dem Schutz der Polizei
Etwa 320 Nazis der NPD und verschiedener Kameradschaften aus Hessen – nicht aber Autonome Nationalisten – konnten heute unter dem Schutz der Polizei durch Wetzlar ziehen. Ihre von der Naziaktivistin Nicole Becker angemeldete Demonstration stand unter dem Motto „Es geschieht auch vor Deiner Tür …„. Was damit gemeint war, machten die Nazis in polizeilich geduldeten Sprechchören deutlich: „Die Therapie, die hilft nicht lang – Kinderschänder an den Strang!„, oder auch „Todsstrafe für Kinderschänder„. In einem Fall erklang das schon gewohnte „Linkes Gezeter – neun Millimeter„. Während der Abschlußkundgebung rief der NPD-Aktivist Sascha Söder (Weilbach / NPD-Kreisverband Wiesbaden-Rheingau) ungehindert und offen zur Selbstjustiz auf: „Wenn in meiner Nachbarschaft ein Kind geschändet wird, erstatte ich definitiv keine Anzeige. Ich habe Verständnis für jeden, der dann zur Selbsthilfe schreitet!“, erklärte er in einem Redebeitrag. Kurz danach rief er dazu auf, Daniel Cohn-Bendit „an die Wand zu stellen“ – wegen dessen angeblichen in den 70ern irgendwann geäußerten Verständnis für Pädophile. Beide Äußerungen sind per Video dokumentiert, ebenso wie eine Äußerung des NPD-Rechtsanwalts Dirk Waldschmidt, der es zwar für „hart„, aber dennoch richtig hielt, zu fordern, Kinderschänder müsse man „an die Wand stellen„. Weiterlesen „Wetzlar: Polizei setzt NPD-Demo durch / zeitweilige Blockaden an einigen Stellen der Route / erneut massive Nazi-Gewaltaufrufe unter dem Schutz der Polizei“
Nachttanzdemo: Grüne distanzieren sich von Volker Stein
Aufgrund seiner Rolle vor, während und nach der Nachttanzdemo 2008 gehen „DIE GRÜNEN“ auf Distanz zum eigenen Magistratskollegen der ansonsten schwarz-grünen Mehrheit im Römer, Sicherheitsdezernent Volker Stein (FDP). Den folgenden Text verteilt der GRÜNE Infodienst: Weiterlesen „Nachttanzdemo: Grüne distanzieren sich von Volker Stein“
Nachttanzdemo 2008: ZeugInnenaussagen gesucht!
Zur Aufarbeitung der Polizeigewalt bei der Auflösung der Nachttanzdemo 2008 (2. Oktober) suchen die OrganisatorInnen der Demo Aussagen von ZeugInnen – Anonymität wird zugesichert. Geplant ist eine Dokumentation der Ereignisse.
[Update: am 10. Oktober, 20 Uhr, findet im Club Voltaire eine Rechtshilfeveranstaltung des Ermittlungsausschuss Frankfurt statt, bei der Gedächtnisprotokolle und ZeugInnenaussagen gesammelt werden.]
8.10.2008: Premiere des ›Hör-Seh-Buches‹ zur Startbahnbewegung – Quer durch die 80er Jahre
Interessierte und AktivistInnen der Anti-Nazi-Koordination sind zur Premiere des Hör-Seh-Buchs „Tödliche Schüsse – Zur Startbahnbewegung und Quer durch die 80er Jahre“ (nach dem Buch von Wolf Wetzel) am Mittwoch, den 8. Oktober 2008, in der Naxos-Halle/Kino im Theater ab 19 Ihr eingeladen.
Es wird u.a. an die Zerstörung des Neonazibuchladens ›Volk und Kosmos‹ in Frankfurt und die anschließende Polizeifalle in der Rohrbachstraße am 3.11.1981 erinnert, bei der mehrere Personen vorsätzlich schwer verletzt wurden.
Kontinuitäten zu jüngsten Ereignissen – wie der polizeiliche Ausnahmezustand am 7.7.2007 zum Schutz eines Neonazi-Aufmarsches und die gewaltsame Auflösung der Nachttanzdemo am 2.10.2008 in Frankfurt – sind weder zufällig, noch zusammenhangslos.
- Filmvorführung und anschließende Premierenfeier mit Extra-Buffet am Mittwoch, den 8. Oktober 2008 in der Naxos-Halle/Kino im Theater, Frankfurt, Wittelsbacher Allee 29 ab 19 Uhr
Nachttanzdemo: Polizeigewalt und Lügen
Die diesjährige Nachttanzdemo endete bereits nach kurzer Zeit mit massiven Angriffen der Polizei auf die DemonstrantInnen. Es gab zahlreiche, zum Teil schwer Verletzte und etliche Festnahmen. Zunächst waren Versuche der Frankfurter Behörden unter Führung von Sicherheitsdezernent Stein, die Nachttanzdemo vom 2. Oktober 2008 einfach zu verbieten, vor Gericht gescheitert. Dann wurden „hilfsweise“ Auflagen gegen die Demo erlassen, die einem faktischen Verbot gleichkamen. Und schließlich wurde die Demo nach etwa 1000 Metern polizeilich angegriffen und aufgelöst. So geht man in Frankfurt mit einer Demonstration um, die nicht antisemitisch, NS- und gewaltverherrlichend wie die der NPD am 7. Juli 2007, sondern ihrer Zielsetzung nach links und emanzipatorisch ist. Weiterlesen „Nachttanzdemo: Polizeigewalt und Lügen“
